3D Modelle - Mithras-Heiligtümer

SoSe 2013

 

Im Sommersemester 2013 erfolgte die 3D-Nachbildung exemplarischer Mithras-Heiligtümer im Rahmen eines Kurses für Fortgeschrittene. Das besondere Augenmerk galt dem meist vernachlässigten Aspekt der Beleuchtung.

Die Verehrung des Mithras war im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. im Römischen Reich weit verbreitet. Dies gilt besonders für den Raum links und rechts des Rheins. Die Kultstätten des Mithras gehören zu den wichtigsten Hinterlassenschaften der Römer in Deutschland.

Die Verehrung des Lichtgottes wurde in fensterlosen Räumen praktiziert, die manchmal in Felsen und natürlichen Höhlen angelegt wurden. Umso wichtiger war in der „Festung der Finsternis“, wie der Mysterienkult von Tertullian bezeichnet wurde (Über den Kranz des Soldaten 15), die Beleuchtung durch künstliches Licht wie vor allem Öllampen und Fackeln, aber auch Opferfeuer und vielleicht Kerzen. Doch auch Sonnenstrahlen, die durch eine Öffnung in der Decke ins Innere fielen, wurden gezielt eingesetzt. Zur Verdeutlichung des Aspekts wurde versucht, verschiedene Lichteffekte des Kults, in dem der Lauf der Sonne und Gestirne gefeiert wurde, nachzuempfinden.

Um das Licht in den Kultablauf zu integrieren, wurden in den Mithräen Altäre mit Nischen für Öllampen ausgestattet. Effektvoll von hinten angestrahlt, erschienen auf diese Weise die Motive Sonne und Mond. Auch dreieckige Aussparungen für die Aufnahme von Leuchtern sind überliefert. Hinzu kommen die bereits erwähnten Öffnungen in der Decke, durch die das Sonnenlicht vermutlich zur Sommer- und Wintersonnenwende das Kultbild mit dem Stier tötenden Mithras erleuchtete. Mit Fackeln werden zudem Cautes und Cautopates, die beiden Begleiter des Mithras, dargestellt.

 

Güglingen:

Das Mithräum II von Güglingen, das in Holzfachwerk errichtet wurde, besaß einen ebenerdigen Vorraum und einen etwas tiefer gelegenen Hauptraum. Der Kultsaal wurde von zwei längs gerichteten Podien geprägt. An seiner Rückseite befand sich das Kultbild, von dem lediglich die rechte untere Ecke erhalten blieb. Eine Besonderheit ist die in Bruchstücken erhaltene Decke, die weitgehend wiederhergestellt werden konnte. Sie bestand aus einem bemalten geometrischen Dekor aus Sechsecken und Rauten.

 

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Schnitt durch das Mithräum II von Güglingen, Anfang 3. Jh. n.Chr., Rekonstruktionsvorschlag (M. Hunziker).

Rekonstruktionsvorschlag des Hauptraums von Mithräum II in Güglingen, Anfang 3. Jh. n.Chr. (M. Hunziker). Das Kultbild wurde nach dem drehbaren Mithrasrelief aus dem Mithräum I in Nida-Heddernheim, ca. 200 n. Chr., nachgebildet.

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Rekonstruktionsvorschlag des Hauptraums von Mithräum II in Güglingen, 3. Bauphase, ca. Anfang – Mitte 3. Jh. n.Chr. (D. Pape). Vorbild für das Kultbild ist ein Relief aus Sterzing. Die rechte Stütze des Reliefs und die Altar- und Weihesteine sind in Güglingen belegt. Gefunden wurden auch Fragmente von Öllampen. Die Fackeln und das sonstige Inventar sind hypothetisch.

Rekonstruktionsvorschlag des Vorraumes von Mithräum II in Güglingen (D. Pape). Über die Verwendung des Vorraumes ist nichts bekannt. Es könnte sich um einen Bereich handeln, in dem man sich umziehen und Gegenstände lagern konnte. Ob hier Fenster vorhanden waren, ist unklar.

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Rekonstruktionsvorschlag des Mithräums II von Güglingen (M. Müller).

 

 

Mithrasthermen, Ostia:

Die Mithrasthermen von Ostia erhielten ihren Namen in der Neuzeit nach einem in den Gewölben entdeckten Mithräum aus dem 2. Jh. n.Chr. Hervorzuheben ist das rundplastische Kultbild des Mithras mit Stier, während üblicherweise Reliefs, seltener auch Gemälde zu finden sind. Eine weitere Besonderheit stellt der Lichtschacht in der Decke dar.

 

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Modell des Mithräums aus den Mithrasthermen von Ostia mit nachgestellter Initiation des Heliodromus (J. Süß). Sonnenlicht fällt durch die Öffnung im Tonnengewölbe auf das Kultbild.

 

 

Saarbrücken:

Das Mithräum vom Halberg in Saarbrücken, von dem zwei Phasen vorliegen, stammt aus dem 2./3. Jh. n.Chr. Es wurde an einem natürlichen Felsen oberhalb einer römischen Talsiedlung errichtet. Die ehemalige Form kann aus Felsabarbeitungen und einigen wenigen Funden erschlossen werden. Daraus geht hervor, dass dieser Sakralbau im Unterschied zu anderen Mithräen im Innern von zwei Reihen Steinsäulen gegliedert war.

 

Rekonstruktionsvorschlag des Mithräums von Saarbrücken. Innenraum (M. Hahn).

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Rekonstruktionsvorschlag des Mithräums von Saarbrücken. Blick von außen (M. Hahn).

 

 

Carrawburgh:

Ein in Holzfachwerk gebautes Mithräum aus dem 3./4. Jh. n.Chr. liegt aus Carrawburgh in Nordengland vor. Es wurde 1949 in einer römischen Lagersiedlung entdeckt. Dem Innenraum lassen sich Holzstützen zuweisen.

 

Rekonstruktionsvorschlag des Mithräums von Carrawburgh (G. Singer).

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Martigny:

Das Mithräum von Martigny aus dem ausgehenden 2. Jh. n. Chr. wurde erst 1993 entdeckt und besticht durch zahlreiche Funde, die u.a. eine Rekonstruktion der Wandmalerei erlauben.

 

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Rekonstruktionsvorschlag des Mithräums von Martigny (B. Gräf).

 

 

Stockstadt:

In Stockstadt am Main wurden Anfang des 20. Jahrhunderts in einer römischen Siedlung zwei Mithräen aus dem 2. und 3. Jh. n. Chr. freigelegt. Mehrere Altäre und weitere Kultgegenstände sind erhalten.

 

Rekonstruktionsvorschlag des Mithräums I von Stockstadt mit beleuchteten Altären (X. Yu)

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Idealtypisches Mithräum nach den Grundrissen der Stockstadter Mithras-Heiligtümer (T. Reimann). Der nicht mehr erhaltene Aufbau orientiert sich insbesondere am Mithräum von Fertőrákos (Ungarn) aus dem 3. Jh.

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 08.10.2014
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