Institutsgeschichte

 

Geschichte des Instituts

 
Creuzer  

Nach der Wiederbegründung der Universität Heidelberg im Jahr 1803 war Georg Friedrich Creuzer als Professor der Klassischen Philologie (1804-1845) eine Schlüsselfigur der romantischen Bewegung mit Ausstrahlung weit über den Bereich der Altertumswissenschaft hinaus. Sein Hauptwerk "Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen" (1810-22) traf zwar auf heftigen Widerstand der Fachwelt, stellte aber in einer Zeit beginnender Aufspaltung in Spezialdisziplinen eine eindrucksvolle Gesamtvision frühzeitlicher Kulturen dar. Seit 1810 hielt Creuzer regelmäßig alle zwei Jahre Vorlesungen über Archäologie, in denen er die gesamte griechische Kunst systematisch behandelte. Seine eigene Sammlung sowie eine von Institutisten gestiftete Kollektion von Münzen, Gemmen und Abgüssen, das "Antiquarium Creuzerianum", bildeten später den Grundstock der archäologischen Universitätssammlung.

   
Zell  

Auch Creuzers Nachfolger Karl Zell (1847-1855), ebenfalls Philologe, bezog die Archäologie in die Lehre ein. Das Jahr 1848, in dem es ihm gelang, die erste Dotation zum Ankauf von "archäologischen Hilfsmitteln" zu erhalten, bedeutet das Gründungsdatum der Heidelberger Antikensammlung.

   
Stark  

Ein eigener Lehrstuhl für Klassische Archäologie wurde 1855 begründet und mit Karl Bernhard Stark (1855-1879) besetzt. 1866 wurde das Fach als eigenes Institut in einem Gebäude am Universitätsplatz eingerichtet, wo die Antikensammlung vor allem mit Gipsabgüssen ausgebaut werden konnte. Wie alle deutschen Archäologen des 19. Jahrhunderts war Stark als Philologe ausgebildet, hat aber Archäologie in Forschung und Lehre in einem sehr weiten Sinn aufgefaßt, unter Einschluß sowohl des Orients als auch der nachantiken Kunstgeschichte. Sein "Handbuch der Archäologie der Kunst" (1. Teil 1878-80) ist eine bewundernswerte, bis heute nicht übertroffene Darstellung der "Systematik und Geschichte der Archäologie".

   
Vonduhn  

Mit Friedrich von Duhn (1879-1920) übernahm den Lehrstuhl ein Vertreter der jüngeren Generation, die durch die wissenschaftlichen Großgrabungen und enzyklopädischen Projekte der Gründerzeit geprägt waren. Er konnte das Jubiläum des 500jährigen Bestehens der Universität 1886 zu einem großen Ausbau der Gipsabguss-Sammlung, u.a. zum Erwerb von Abgüssen der Parthenon-Skulpturen, nützen. Daneben wurde zu seiner Zeit die Original-Sammlung durch Ankäufe und vor allem durch bedeutende Schenkungen beträchtlich erweitert. Von Duhns Hauptwerk "Italische Gräberkunde" (1924; 1939) stellt einen bedeutenden Schritt der klassischen Archäologie in Richtung auf die Prähistorie dar. Unter seiner Leitung wurde im Rahmen des Archäologischen Instituts Professuren für Alte Geschichte und für Kunstgeschichte eingerichtet.

   
Curtius  

In der intellektuellen Glanzzeit der Heidelberger Universität während der 1920er Jahre stellte Ludwig Curtius (1920-1928) einen Attraktionspunkt für einen großen Kreis von Schülern dar, die eine neue Sicht der antiken, vor allem auch der römischen Kunst entwickelten: Otto Brendel, Reinhard Herbig, Hermine Speier, Werner Technau wurden von Curtius promoviert, Bernhard Schweitzer habilitierte sich, Ernst Langlotz war Assistent, Karl Lehmann-Hartleben Privatdozent zu seiner Zeit. Sein damals verfasstes Buch "Pompeianische Wandmalerei" (1929) erreichte ein breites gebildetes Publikum.

   

Vonsalis
 

 

Unter Arnold von Salis (1929-1940) zog das Institut 1930 in einen Bau von Friedrich Weinbrenner am Marstallhof um; die Antiken- und Gipsabguss-Sammlung blieb im alten Gebäude. Wissenschaftlich setzte er die Ausrichtung des Faches als antike Kunstgeschichte, mit Ausweitung auf das Nachleben in der Renaissance, fort. Wegen seiner Schweizer Nationalität konnte von Salis das Fach von politischen Einfärbungen frei halten.

   
Herbig  

Reinhard Herbig (1941-1956) erweiterte das Spektrum des Faches auf die etruskische Archäologie. Sein Ansehen in der Universität nach dem 2. Weltkrieg kam in seiner Wahl zum Rektor für 1955-56 zum Ausdruck.

   
Hampe  

Die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde von Roland Hampe (1957-1975) zu einem kräftigen Ausbau des Instituts genutzt. Die Originalsammlungen wurden durch bedeutende Neuerwerbungen besonders im Bereich der griechischen Frühzeit stark erweitert. In dem neuen Kollegiengebäude am Marstallhof wurden die Original- und die Gipsabguss-Sammlung in musealer Ausstellung mit dem Institut vereinigt. In Verbindung mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften wurde von Hampe eine Forschungsstelle "Antike Mythologie" zur Mitarbeit an dem internationalen "Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae" eingerichtet, die einen neuen interdisziplinären Schwerpunkt darstellte.

   
   

Daneben setzte Erika Simon (1957-1964) neue Akzente in der Römischen Archäologie. Durch Jörg Schäfer (1968-1991) entstand ein Schwerpunkt in der Archäologie der ägäischen Bronzezeit. 

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 10.12.2014
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